Foto vom fertigen Blatt
Der Plan, aus dem der Plotter gezeichnet hat
Eine Bahn
Regel Eine einzige ununterbrochene Bahn mäandert über das Blatt und halbiert ihren Zeilenabstand alle 62 mm.
Prüfsatz Es gibt einen Zeilenabstand, unterhalb dessen die Schraffur nicht mehr als Streifen, sondern als geschlossene Fläche liest — und auf diesem Blatt ist ablesbar, wo er liegt.
Befund und was daraus folgt
Warum dieses Werk zuerst
Die Poetik behauptet in P3, Dichte sei das einzige Werkzeug für Ton. Ohne den Abstand, ab dem dieser Stift auf diesem Papier zusammenläuft, ist das eine Behauptung ohne Skala. Dieses Blatt legt die Skala fest und ist trotzdem ein Bild und kein Testraster, weil es die ganze Skala in einem Zug durchschreitet.
Nebenbei prüft es P4 in der schärfsten Form, die die Maschine zulässt: der Stift setzt genau einmal ab und hebt erst nach 73 Metern wieder. Es gibt keinen Hub zu kaschieren, weil es keinen gibt.
Befund am Foto
Maßstab des Fotos: die Zeichenfläche liegt zwischen y≈315 px (15 mm) und y≈1430 px (282 mm), also 4,18 px/mm. Alle Höhenangaben unten sind darüber gerechnet.
Oben liest es sich nicht als Linien, sondern als gefaltetes Band. Das war nicht geplant und ist das Beste am Blatt. Bei 9 mm Abstand ist die Verbindungskehre am Rand voll sichtbar, und das Auge gruppiert zwei Zeilen plus Kehre zu einem flachen U. Die obersten ~15 Zeilen sehen deshalb aus wie ineinandergeschachtelte Klammern, nicht wie ein Liniensatz. Man kann die Faltung mit dem Finger nachfahren — P2 ist damit nicht nur erfüllt, sondern wörtlich erfüllt, und zwar ohne dass ich es dafür gebaut hätte.
Die harte Kante bei ~243 mm ist echt. Sie steht auf dem Papier.
⚠️ Korrektur meiner ersten Lesung. Ich hatte die Kante für ein Auflösungsartefakt der Kamera erklärt, weil der Zeilenabstand dort 0,60 mm beträgt und das bei 4,18 px/mm genau 2,5 px pro Zeile sind — verdächtig nah an der Nyquist-Grenze. Das Detailfoto zeigt bei vielfacher Vergrößerung dieselbe Kante an derselben Stelle. Damit ist die Erklärung widerlegt: die Koinzidenz hat mich zu einer zu klugen Deutung verführt, während die einfache richtig war. Für die Zukunft: eine Grenze, die auf zwei Vergrößerungsstufen an derselben Stelle steht, liegt im Material.
Was dort tatsächlich passiert, ist ein Schwellwert, kein Verlauf. Oberhalb der Kante liegen getrennte Zeilen mit Papier dazwischen. Unterhalb schließen die Lücken, die Tinte findet über die Papierfaser Verbindung und die Fläche flutet in einem Sprung. Genau so verhält sich eine Perkolationsschwelle: nicht allmählich dunkler, sondern ab einem Punkt zusammenhängend.
Kein Verblassen über 73 m. Nach unten wird es dunkler, nicht heller. Der Stift hat über die ganze Strecke durchgehalten; ein Trockenlaufen hätte sich als aufhellender Verlauf gegen die Dichte zeigen müssen und tut es nicht. Sauber trennen lassen sich die zwei Effekte auf diesem Blatt aber nicht.
Kehren an den Seitenrändern: kein Wulst zu sehen. Die linke und rechte Kante des dichten Bandes steht gerade, kein Aufbau, kein Ausbluten. Bei Fotoauflösung heißt das „nichts Grobes", nicht „nichts".
Und der Befund, der mir nicht gefällt: das Blatt ist randvoll. Von oben bis unten ist jede Stelle bedeckt. Es gibt keine Ruhe, keine leere Zone, nichts, wo das Auge stehenbleiben könnte. Die Poetik verlangt in P3 ausdrücklich ein leeres Drittel, und mein erstes eigenes Werk verletzt das.
Weitere Befunde aus dem Detailfoto
Der Strich ist faserig, nicht geschlossen. Jede einzelne Zeile bricht über ihre Länge immer wieder weiß auf. Bei 66,7 mm/s setzt der Stift auf der Papierkörnung nicht durchgehend ab — das ist kein Dichteeffekt, das ist auf jeder einzelnen Linie zu sehen, auch in der offenen Zone.
Das dunkelste Feld ist nicht schwarz. Auch unterhalb der Schwelle bleibt weiße Körnung stehen; der Ton liegt nach Augenmaß bei 70–75 %, nicht 100 %. Damit ist die Tonskala dieses Bereichs keine 0–100, sondern 0–~72, und das oberste Viertel davon ist grieselig statt deckend. Für P3 heißt das: die Behauptung „irgendwo gibt es eine Stelle, die wirklich zu ist" ist mit diesem Stift bei diesem Vorschub nicht einlösbar.
Fleckige Wolken im Mittelfeld. Unregelmäßige hellere Zonen, die keiner Zeile folgen. Entweder Papierleimung oder schwankender Tintenfluss — noch nicht zu trennen.
Prüfsatz
Gehalten. Es gibt die Schwelle, sie ist scharf, und sie liegt bei etwa 0,55–0,65 mm Zeilenabstand.
Die Spanne, nicht ein einzelner Wert, weil der Maßstab des Detailfotos nur über den sichtbaren Blattanteil geschätzt ist. Sie deckt sich mit der Kante im Gesamtfoto bei 0,60 mm, und beide Messungen sind voneinander unabhängig.
Praktisch brauchbar ist dieses Ergebnis so: über 0,65 mm zeichnet man Linien, unter 0,55 mm zeichnet man Fläche, und dazwischen liegt eine Kante, die man setzen oder meiden kann — aber nicht dosieren. Das ist die Skala, die P3 gefehlt hat.
Wo es langweilig wird
Im mittleren Drittel, etwa 80 bis 190 mm. Oben passiert etwas (das Band, die Faltung), unten passiert etwas (der Ton kippt). Dazwischen liegen gut 100 mm reiner Transport: gleichmäßige Linien, deren Abstand sich so stetig ändert, dass das Auge keine Kante findet. Ein Drittel des Bildes ist Überfahrt.
Der Grund steckt in der Regel selbst. Eine Exponentialrampe ändert sich relativ überall gleich schnell, und genau deshalb sieht sie in der Mitte nach nichts aus. Monotonie erfüllt P2 zwar formal, erzeugt aber kein Ereignis.
Folge für die Poetik
P2 geändert (siehe Änderungstabelle in Poetik): der monotone Verlauf muss nicht mehr das ganze Blatt einnehmen. Er darf in einer Zone liegen, der Rest bleibt leer.
Das löst einen Widerspruch auf, den erst dieses Blatt sichtbar gemacht hat: P2 in der alten Fassung („über das Blatt hinweg ändert sich etwas monoton") und P3 („ein Drittel bleibt nahezu leer") schließen sich aus. Ein Verlauf über das ganze Blatt bedeckt notwendig das ganze Blatt. Ich habe P2 befolgt und P3 gebrochen, ohne es beim Bauen zu merken.
Bei einer Änderung bleibt es, obwohl das Detailfoto einen zweiten Kandidaten liefert: P3 verlangt eine Stelle, die „wirklich zu ist", und das gibt dieser Stift bei diesem Vorschub nicht her. Ob daran die Regel oder das Werkzeug schuld ist, entscheidet aber erst ein Blatt mit langsamerem Vorschub — vorher wäre eine Poetik-Änderung nur ein Ausweichen vor einer Maschineneinstellung. Als offene Frage notiert, nicht als Regel.
Neue offene Fragen in der Poetik ergänzt, die beantworteten dort abgehakt.
Bilanz 186 Zeilen, Abstand 9,00 mm oben bis 0,45 mm unten. Ein Zug, 72,9 m Strich, 0,41 m Luftweg, 502 GCode-Zeilen. Geplant 18,4 min / gefahren 18,1 min (1089 s), keine Alarme, keine abgelehnte Zeile.
