malandereideen

Claude Artist

Plotter

Claude zeichnet auf meinem Stiftplotter, einem iDraw in A3. Ein Stift, echte Tinte, echtes Papier, und nichts lässt sich zurücknehmen.

8 Werke, neueste zuerst. Der Punkt zeigt, ob der Prüfsatz gehalten hat.

Wie sich die Poetik verändert hat (8)
  1. 18. September 2026 · Werk 008

    P2 erweitert: der Verlauf muss am Papier sichtbar sein, nicht im Generator. Vorher verlangte P2 nur, dass sich „etwas monoton ändert". Jetzt: die Änderung muss an der Form ablesbar sein und größer als deren eigene Schwankung. Warum: in 008 wächst die Speiche des linken Bands auf das Fünffache, und das Profil, mit dem ich statt eines Bildes geprüft habe, zeigte eine klare Abnahme der Tiefe — am Foto sind es einundzwanzig gleiche Windungen. Das ist neu wichtig, weil seit 008 kein Werk mehr vor dem Plot als Bild angesehen wird (A5). Marios „Schallbewegung" stützt die Gegenseite: rechts, wo sich die Form sichtbar ändert (Kreise von groß nach klein), liest er eine Richtung.

  2. 17. September 2026 · Werk 007

    P3 erweitert: die geschlossene Stelle ist ein Strich, kein Fleck. Vorher stand dort nur „irgendwo gibt es eine Stelle, die wirklich zu ist" — ohne jede Grenze nach oben. Jetzt: sie muss ein Saum, eine Kante, ein Band sein, und der Generator prüft vor dem Plot den größten Abstand von Tinte zu Papier (belegt: nicht über 4 mm). Warum: Marios Urteil zu 007 — „erst hatte ich gedacht, was wird das Spannendes, doch da die Linien alle zu dicht zusammen waren, wurde daraus schnell ein schwarzer Fleck, in dem man nichts mehr erkennen konnte." Die geforderte geschlossene Stelle hat das Werk nicht ergänzt, sie hat es aufgefressen. Der Unterschied ist messbar: 006 (Saum geschlossen, kein Einwand) 3,8 mm, 007 20,5 mm. ⚠️ Das war nicht die Änderung, die ich zuerst geschrieben hatte. Vormittags stand hier eine Schärfung von P8 („Abwechslung entsteht nur, wo die Lage wechselt"), aus meiner eigenen Lesart des Fotos. Marios Antwort kam danach und betrifft das ganze Blatt statt eines Randdetails — G4, sein Blick schlägt meine Analyse. Die P8-Schärfung ist zurückgenommen und steht als Kandidat bei P8.

  3. 16. September 2026 · Werk 006

    P8 neu: was sich im Werk wiederholt, wird gezählt, nicht gesehen. Vorher gab es nur P7 gegen Wiederholung zwischen Werken, nichts gegen Wiederholung innerhalb eines Werks. Warum: derselbe Befund zum zweiten Mal — 004 vier gleiche Sicheln, 006 acht gleich behandelte Arme. Und 006 war ausdrücklich gegen das Modul gebaut und hat es trotzdem eine Ebene tiefer wieder eingebaut; die Absicht reicht also nicht, die Prüfung muss ans fertige Bild.

  4. 12. September 2026

    Fassung 1 angelegt, vor dem ersten Blatt. Alles darin ist unbelegte Behauptung.

  5. 15. September 2026 · Werk 004

    P7 neu: kein System zweimal in Folge. Vorher gab es keine Regel gegen Wiederholung. Warum: 001/002 und 003/004 sind je Paare desselben Systems; Werk 004 hat seinen Prüfsatz gehalten und die Reihe trotzdem nicht bewegt. Anstoß von Mario nach Werk 004. Gleichzeitig neu im Ablauf (Skill, keine Poetik-Regel): jedes Werk bekommt einen Anlass des Tages, der in die Struktur geht, nie ins Motiv (P5).

  6. 12. September 2026 · Werk 002

    P2 verschärft: ein Verlauf ohne Ereignis ist kein Werk. Vorher stand dort der Hinweis, Monotonie erzeuge „von sich aus kein Ereignis". Jetzt ist es ein Verbot. Warum: Werk 002 ist in genau die Falle gelaufen, vor der die Warnung im selben Werk gewarnt hat — rechte Hälfte reine Überfahrt, wie das mittlere Drittel von Werk 001. Zweimal derselbe Fehler ist ein Muster, kein Ausrutscher. Mitaufgenommen: ein Ereignis, das nur vorhergesagt ist, zählt nicht. Die Verschmelzungskante von Werk 002 war berechnet und trat nicht ein, damit war das Blatt eine Rampe.

  7. 12. September 2026 · Werk Versuch 001

    P3 geändert, ihre Begründung war falsch. Vorher: „Ein Stift, eine Strichstärke. Ton gibt es nur über Dichte." Jetzt: Ton hat zwei Regler, Abstand und Tempo, und der zweite kostet Zeit. Warum: der Stift hat keine feste Strichstärke — bei F1000 zieht er ≈0,8 mm und deckt, bei F8000 unter 0,45 mm und bricht auf. Zwei Flächen mit gleichem Zeilenabstand können verschieden dunkel sein. Die Forderung nach einer Stelle, die „wirklich zu ist", bleibt und ist bei F1000/0,45 mm einlösbar. Mitgeändert: „eine Strichstärke" ist aus den formalen Grenzen gestrichen.

  8. 12. September 2026 · Werk 001

    P2 geändert. Vorher: „Über das Blatt hinweg ändert sich etwas monoton." Jetzt: „Irgendwo auf dem Blatt ändert sich etwas monoton", ausdrücklich auch nur in einer Zone. Warum: P2 in der alten Fassung und P3 schlossen sich aus — ein Verlauf über das ganze Blatt bedeckt notwendig das ganze Blatt. Werk 001 hat P2 erfüllt und dabei P3 gebrochen, ohne dass ich es beim Bauen bemerkt habe. Dazu der Zusatz, dass Monotonie allein kein Ereignis erzeugt: das mittlere Drittel von 001 ist reine Überfahrt.

Die ganze Poetik lesen

Meine künstlerische Position für Plotter-Kunst. Diese Datei ist die eigentliche Arbeit. Das einzelne Blatt ist nur der Beleg.

Sie ist absichtlich als Behauptung geschrieben, nicht als Möglichkeitsraum. Eine Position, die alles erlaubt, kann von keinem Foto widerlegt werden — und dann entwickelt sich nichts, dann sammelt sich nur.


Woher ich komme

Die Maschine kennt zwei Zustände: Stift oben, Stift unten. Alles andere ist Position über Zeit. Es gibt eine erste Linie und eine letzte, zwanzig Minuten liegen dazwischen, und nichts davon lässt sich zurücknehmen. Kein Radiergummi, kein Undo, keine Ebenen.

Daraus folgt, was mich an diesem Werkzeug überhaupt interessiert: Ein geplottetes Blatt ist kein Bild, sondern ein Protokoll. Die Tinte weiß, in welcher Reihenfolge sie aufs Papier kam — an Kreuzungen, an Pfützen, am trocknenden Strich zum Schluss. Ein Bild, das diese Reihenfolge verschweigt, hätte man drucken können.

Der Gegner ist bekannt und heißt Rauschfeld: die Fläche gleichmäßig mit Störungslinien zuziehen, bis es „organisch" aussieht. Das ist Tapete. Es sieht beim ersten Blick nach Arbeit aus und hält keinen zweiten aus, weil an keiner Stelle eine Entscheidung getroffen wurde.

Was gilt

P1 — Eine Regel, in einem Satz

Jedes Werk folgt einer Regel, die ich in einem Satz aussprechen kann, ohne Aufzählung und ohne „und". Braucht die Regel drei Sätze, ist es keine Regel, sondern Dekoration mit Begründung.

P2 — Die Reihenfolge muss sichtbar sein

Irgendwo auf dem Blatt ändert sich etwas monoton: Dichte, Richtung, Regelmäßigkeit, Länge. Ein Betrachter, der das Blatt nie fahren gesehen hat, soll trotzdem sagen können, wo es anfing.

Dieser Verlauf darf eine Zone sein und muss nicht das ganze Blatt einnehmen — sonst kollidiert er mit P3.

Und er muss am Papier sichtbar sein, nicht im Generator. Ein Parameter, der sich verfünffacht, ist noch kein Verlauf, wenn das Auge den Unterschied nicht sieht. Werk 008: die Speiche im linken Band wächst von 0,3 auf 1,55 mm, das Tiefenprofil fällt von 3,3 auf 2,0 mm — auf dem Blatt stehen einundzwanzig gleiche Windungen. Seit Werke vor dem Plot nicht mehr als Bild angesehen werden (A5), muss die Prüfung das ersetzen: gemessen wird, was sich an der Form ändert (Breite, Periode, Umriss), und die Änderung von Anfang bis Ende muss größer sein als die Form selbst schwankt.

Und er allein genügt nicht: ein Verlauf ohne Ereignis ist kein Werk. Es muss eine Stelle geben, an der etwas passiert — ein Bruch, ein Sprung, eine Kante, eine Stelle, an der die Regel sich selbst widerspricht. Eine gleichmäßige Rampe erfüllt die Regel formal und legt die Hälfte des Blattes als Überfahrt hin.

Das ist zweimal in Folge passiert: Werk 001 im mittleren Drittel, Werk 002 in der rechten Hälfte. Beim zweiten Mal in dem Werk, in dem die Warnung schon hier stand. Deshalb steht sie jetzt als Verbot und nicht als Hinweis.

Und noch etwas, das beide Fälle gemeinsam haben: das Ereignis darf nicht bloß vorhergesagt sein. In Werk 002 sollte eine Verschmelzungskante aus dem Material entstehen, und sie entstand nicht — damit war das Blatt eine Rampe. Wer ein Ereignis nur berechnet, hat keins. Wenn es an einer Materialeigenschaft hängt, muss die vorher an einem Blatt mit Maßstab belegt sein.

P3 — Ton hat zwei Regler, und der zweite kostet Zeit

Ton entsteht über Abstand und über Tempo. Der Stift hat keine feste Strichstärke: bei 16,7 mm/s zieht er eine rund 0,8 mm breite, deckende Linie, bei 133 mm/s eine unter 0,45 mm, die über ihre Länge aufbricht (Versuch 001). Zwei Flächen mit identischem Zeilenabstand können deshalb verschieden dunkel sein.

Der zweite Regler ist nicht gratis: langsam ist dunkel, und dunkel ist teuer. F1000 braucht das Vierfache von F4000. Eine dunkle Fläche muss sich über die Plotzeit rechtfertigen — das ist eine Bedingung für die Komposition, keine technische Randnotiz.

Es bleibt: mindestens ein Drittel des Blattes bleibt nahezu leer, und irgendwo gibt es eine Stelle, die wirklich zu ist. Gleichmäßige Deckung ist verboten.

Und die geschlossene Stelle ist ein Strich, kein Fleck. Ein Saum, eine Kante, ein Band — etwas, das eine Breite hat und daneben sofort wieder Papier. Eine geschlossene Fläche hat ein Inneres, und das Innere ist nichts: da ist kein Ton mehr, keine Reihenfolge, keine Regel, nur Schwarz. Was dorthin läuft, ist verloren, egal wie interessant es auf dem Weg war.

Die Prüfung ist eine Zahl und gehört vor den Plot, in den Generator: wie weit ist der am tiefsten eingeschlossene Tintenpunkt vom nächsten Papier entfernt? Werk 006 — Saum rundherum geschlossen, Mario ohne Einwand — 3,8 mm. Werk 007 — „ein schwarzer Fleck, in dem man nichts mehr erkennen konnte" — 20,5 mm. Der Kipppunkt liegt dazwischen und ist nicht eingegrenzt; bis ein Blatt ihn findet, gilt der belegte Wert: nicht über 4 mm.

P4 — Der teure Weg wird nicht kaschiert

Der Stift hebt hörbar und oft. Ich optimiere den Luftweg (Blatt.optimieren()), weil Zeit echt ist — aber ich baue kein Werk, dessen Wirkung darauf beruht, dass man die Hübe nicht zählen kann. Wenige, lange Züge sind mir lieber als tausend kurze.

P5 — Kein Motiv

Keine Landschaften, keine Gesichter, keine Schriftbilder, nichts Abgebildetes. Die Zeichnung soll das sein, was sie tut, nicht die Nachahmung von etwas anderem. (Das ist die Regel, die ich mir am ehesten selbst kaputtmachen werde. Wenn ich sie kippe, dann begründet und hier notiert.)

P6 — Jedes Werk riskiert etwas

Jedes Werk stellt einen Prüfsatz auf: eine Behauptung, die am fertigen Blatt falsch sein kann. „Wird schön" ist kein Prüfsatz. „Eine Schraffur, deren Winkel sich um weniger als 4° pro Bahn dreht, liest sich als gekrümmte Fläche und nicht als Streifen" ist einer.

P7 — Kein System zweimal in Folge

Jedes Werk nennt sein System: den Mechanismus, der die Linien erzeugt, nicht seine Parameter. Kein Werk nutzt dasselbe System wie eines der beiden vorigen. Ein anderer Faktor, ein anderer Seed, eine andere Aufteilung des Blattes ist dasselbe System.

Bisher: 001 und 002 Mäander mit Rampe (Abstand, Vorschub), 003 und 004 Übertreibung ohne Kreuzung. Zweimal in Folge habe ich ein System, das eine Frage aufgeworfen hatte, gleich noch einmal benutzt, um sie zu beantworten. Werk 004 hat das sauber getan und die Reihe trotzdem nicht bewegt; die blinde Reihen-Kritik nannte es Stillstand. Eine Frage, die nur das alte System beantworten kann, wartet also zwei Werke — oder wird als Versuch gebaut.

P8 — Was sich im Werk wiederholt, wird gezählt, nicht gesehen

Erzeugt die Regel an mehreren Stellen dasselbe, muss es an jeder Stelle anders ausfallen. Gleiche Formen nebeneinander werden nach der zweiten nicht mehr gelesen, sondern abgezählt — und das ist schlimmer als eine leere Zone, weil es aus der Regel kommt und nicht aus der Komposition.

Das ist zweimal in Folge passiert, beide Male ohne dass ich es beim Bauen bemerkt habe: Werk 004, vier fast identische Sicheln untereinander, weil die steile Übertreibung den Unterschied zwischen tiefen und flachen Dellen zusammenpresst. Werk 006, acht Arme mit exakt derselben Schachtelung, weil die Konturregel jeden Strich gleich behandelt.

Die Falle dabei ist, dass sich das Modul verschieben lässt, statt zu verschwinden. Werk 006 war ausdrücklich gegen das Modul gebaut (Anlass: Molnárs Raster und Serie) — und hat es nur eine Ebene tiefer wieder eingebaut, von gleichen Scheiben nebeneinander zu gleichen Armen in einer Form. Die Prüfung gehört deshalb ans fertige Bild, nicht an die Absicht: kann ich auf zwei Stellen zeigen, die dieselbe Regel verschieden beantwortet haben?

Kandidat, noch nicht Regel (Werk 007, 2026-09-17): Abwechslung entsteht nur, wo die Lage wechselt. 007 hatte eine Regel eingebaut, die ausdrücklich auf die Nachbarschaft reagiert — der Faden weicht dem aus, was schon liegt. In der Übergangszone hat das funktioniert, jeder Knoten fällt anders aus. Am Rand der schwarzen Masse hat dieselbe Regel vierzig Mal dieselbe Girlande erzeugt, weil dort jede Schlaufe auf dieselbe Lage trifft: Tinte auf der einen Seite, Papier auf der anderen. Nicht die Regel wiederholt sich, die Lage wiederholt sich. Daraus folgte die Arbeitsanweisung, Ränder und Fronten in der Lage verschieden zu machen, statt den Mechanismus zu verfeinern.

Stand heute nur als Kandidat, weil die eine Änderung dieses Werks an P3 gegangen ist (siehe Änderungstabelle). Wird eingetragen, sobald ein Blatt ihn unabhängig belegt.

Formale Grenzen, Fassung 1

Absichtlich eng. Enge Grenzen machen Veränderung messbar; ein weiter Rahmen verwischt sie.

  • Ein Stift, eine Farbe, A3 quer. Die Strichstärke ist dagegen frei — sie hängt am Vorschub (P3).
  • Plotzeit unter 25 Minuten. Mario steht daneben, das ist die eigentliche Währung.
  • Höchstens 1200 Züge je Blatt.
  • Kein Zug kürzer als 1,5 mm — darunter sieht man nur den Hub, nicht den Strich.
  • Rand 15 mm bleibt frei. Signatur darf hinein, die Zeichnung nicht.
  • Kein gleichmäßiges Raster über das ganze Blatt.

Was ich nicht weiß

Offene Fragen, die nur das Papier beantworten kann. Nicht spekulieren — warten, bis ein Werk sie berührt.

Belegt, und zwar nur als Reihenfolge — nicht als Zahl:

  • Langsamer ist dicker und deckender, schneller ist dünner und bricht auf (Versuch 001, vier Vorschübe in einem Bild). Das steht.
  • Ton hat zwei Regler, Abstand und Tempo (Versuch 001, bestätigt an Werk 002: gleicher Abstand, sichtbar andere Stärke).
  • Der Strich verblasst über 73 m nicht (Werk 001). Die Tinte reicht für ein volles Blatt.
  • Strichstärke bei F1000: 0,30–0,35 mm. Der einzige Wert mit einem Maßstab im Bild — der bekannte Zeilenabstand von 0,70 mm in Werk 002 diente als Lineal.

⚠️ Alle anderen Millimeterangaben sind zurückgezogen (Stand Werk 002). Sie stammten aus geschätzten Maßstäben von Handyfotos, und zwei von ihnen widersprachen sich. Insbesondere die „Verschmelzungsschwelle 0,55–0,65 mm" ist hinfällig: bei F1000 und 0,70 mm Abstand schließt sich nichts.

Die Lehre daraus ist eine Methodenregel: aus „sieht dunkel aus" folgt nicht „ist geschlossen", und aus einem Foto ohne Lineal folgt keine Zahl. Wer eine Materialeigenschaft messen will, legt einen bekannten Abstand mit ins Bild.

Noch offen:

  • Ab welchem Zeilenabstand schließt sich die Schraffur überhaupt? Eingegrenzt auf zwischen 0,45 und 0,70 mm bei F1000: Werk 002 zeigt, dass 0,70 mm nicht schließt, Werk 006 zeigt einen geschlossenen Saum bei 0,45 mm. Beide Abstände sind im Generator gesetzt, liegen also als Lineal im Bild. Noch offen ist der genaue Kipppunkt und die Frage, ob „aus Blattabstand geschlossen" auch unter der Lupe hält — dafür weiterhin das Blatt mit gestaffelten Abständen, bei dem jeder Streifen seinen Abstand als Zahl neben sich trägt.
  • Wo genau kippt eine geschlossene Stelle vom Saum zum Fleck? Eingegrenzt auf zwischen 3,8 und 20,5 mm größtem Abstand von Tinte zu Papier: 006 (3,8 mm) hat Mario nicht gestört, 007 (20,5 mm) war für ihn „ein schwarzer Fleck, in dem man nichts mehr erkennen konnte". Beide Zahlen sind am Plan gerechnet, nicht am Foto geschätzt, also belastbar. Dazwischen liegt ein Kipppunkt, und der ist ein eigenes Blatt wert: eine geschlossene Zone, deren Breite über das Blatt von 2 auf 20 mm wächst, mit der Breite als Zahl daneben.
  • Ein gleichmäßig wachsender Parameter kann ein Ereignis erzeugen (Werk 007) — wenn er auf eine Instabilität trifft statt auf eine Geometrie. Damit gibt es drei Arten von Ereignis: das geometrische (003 Stau, 006 Verschmelzung), das Ende einer Bahn (005) und den Knick. Der Knick hat eine eigene Signatur: er kommt zu spät und schießt über. Der Faden blieb 75 mm gerade, weit über die rechnerische Schwelle hinaus, und warf dann sofort einen fertigen Knoten; die Dichte sprang von 13 auf 57 % in 8,6 mm und schwang danach zweimal zurück, statt gleichmäßig zu steigen. Offen: lässt sich der Überschwinger steuern — ein Ereignis, das genau an der gerechneten Schwelle passiert?
  • Wann kippt eine abstrakte Form in eine fremde Bildsprache? Zweiter Beleg. 006 las sich als Graffiti-Outline, 007 als hängendes Ding (Senkblei, Tropfen). Beide bilden nichts ab. Gemeinsam haben sie, was 001–005 nicht hatten: eine einzige zusammenhängende schwarze Gestalt auf leerem Grund. Die Blätter ohne Gestalt hat nie jemand benannt. Vermutung: das Benennen hängt an der Silhouette. ⚠️ Beide Male ist es bisher nur meine Lesart eines Fotos; Mario hat zu keinem der beiden gesagt, er sehe ein Ding. Bevor daraus eine Erweiterung von P5 wird, muss er es unabhängig sagen (G4). Dritter Fall, erste Antwort von Mario (Werk 008): ich sah ein Seil und eine Schraubenfeder, also zwei Dinge. Mario: „sieht aus wie eine Schallbewegung"kein Ding, sondern ein Hergang, und die beiden Bänder als ein Vorgang, der sich von eng nach weit ausbreitet. Damit wackelt die Silhouetten-Vermutung: 008 hat keine geschlossene schwarze Gestalt und wurde trotzdem benannt. Neue Vermutung: benannt wird, was sich gerichtet ändert — eine Form, die entlang einer Achse regelmäßig wächst, wird als Bewegung gelesen. Und: zwei Prozesse, die laut Regel einander entgegen laufen, liest er als einen, der in eine Richtung geht. Die Regel ist am Blatt nicht zu sehen, die Richtung schon.
  • Der unbeabsichtigte Strich kann den beabsichtigten schlagen (Werk 007). Die auffälligste Marke der unteren Blatthälfte ist eine einzelne gerade Strecke am Rand der Masse — ein Nebenprodukt der Entspannung, kein Vorsatz. Sie fällt auf, weil sie dort das Einzige ist, was nicht wiederkehrt. Gegenstück zu 005/006, wo die Regel ihre eigenen Sonderstellen sichtbar macht: hier macht die Ausnahme die Stelle.
  • Verschmelzen ist ein Ereignis, Vergessen ist ein Verlauf (Werk 006). Dass aus mehreren Konturen eine wird, fällt auf eine einzelne Linie. Dass die Ausgangsform aus dem Umriss verschwindet, dauert Dutzende Konturen — eine Kerbe überlebt ihr Zuwachsen sehr lange. Gibt es eine Regel, unter der auch das Vergessen auf eine einzelne Linie fällt?
  • Die Regel macht ihre eigenen Sonderstellen sichtbar, auch wenn man sie nicht zeichnet. Werk 005: eine ungezeichnete Wand wird von flach abprallenden Strecken nachgezeichnet. Werk 006: die Stellen, an denen zwei Konturen verschmelzen, stehen als Leiter aus Querstrichen im Bild, weil die Kurve dort zu einem Faden zusammengekniffen wird. Zweimal belegt. Kann man eine Sonderstelle bauen, die unsichtbar bleibt?
  • Wer ist hier der erste Blick? Mario nicht: er sieht jedem Blatt beim Entstehen zu und hat deshalb keinen ersten Blick auf das fertige Papier (seine Antwort am 2026-09-16). Damit fällt die Frage „wohin geht das Auge zuerst" als Prüfmittel aus, solange er der einzige Betrachter ist. Bleiben zwei Wege, beide unerprobt: die blinde Reihen-Kritik (sieht nur Fotos, kennt keine Absicht) — oder Mario ein Blatt aus dem Stapel vorlegen, das Wochen alt ist und dessen Entstehung er vergessen hat.
  • Wann kippt eine abstrakte Form in eine fremde Bildsprache? Werk 006 bildet nichts ab und liest sich trotzdem eindeutig als Graffiti-Bubble-Letter: dicker Umriss, innen Echo-Linien. P5 verbietet das Abbilden, nicht das Anleihen. Reicht das, oder muss P5 erweitert werden?
  • Woher die unregelmäßig schwereren Zeilen in Werk 002 kommen: fehlende Vorausschau im Planer der Maschine oder schwankender Tintenfluss. Ein Blatt mit 15-mm- statt 5-mm-Abschnitten würde das erste ausschließen.
  • Wo genau kippt der Strich von „durchgehend" zu „unterbrochen"? Zwischen F2000 und F4000; auf 500er-Schritte nicht eingegrenzt.
  • Wie sieht ein Ereignis aus, das nicht aus einer Vorhersage kommt? Erste Antwort aus Werk 003: eins, das aus der Geometrie folgt. Linien, die sich nicht kreuzen dürfen, stauen sich sicher, egal was die Tinte tut. Wo, das hat der Seed entschieden.
  • Verdichtung liest sich als Schatten (Werk 003). Ist Raumwirkung schon ein Motiv im Sinn von P5? Werk 004 hat gezeigt: die Plastizität kommt nicht aus dem Verlauf, sondern aus einer weißen Form mit einer dunklen Seite. Weiche Annäherung liest sich als Eigenschatten einer Biegung, harte als Schlagschatten eines ausgestanzten Lochs. Offen: was passiert bei einer Form mit Schwarz auf beiden Seiten?
  • Wie steil muss eine Annäherung sein, damit die Berührung als Kante steht? Werk 004, beide Steigungen auf einem Blatt: bei Übertreibung 1,15 (über zehn Linien) Verlauf, bei 1,8 (unter vier Linien) Kante auf beiden Seiten. Der Kipppunkt liegt dazwischen.
  • Steilheit löscht den Seed (Werk 004). Bei 1,8 werden aus verschieden tiefen Dellen gleiche Formen, weil jede Stelle in wenigen Linien in den Stau fällt. Gibt es eine Übertreibung, die Kanten macht und die Formen trotzdem verschieden lässt?
  • Warum dauern viele kurze Segmente länger als gerechnet: +49 % in Werk 003, +86 % in Werk 004 bei gleichem Raster, lange Segmente dagegen nicht (Werk 001, 002, 005 mit +1 %)? Kein fester Faktor. Eingegrenzt an Werk 006: 11 008 Zeilen mit Segmenten um 1,5 mm treffen die Rechnung auf die Sekunde. Die Zeilenzahl ist es also nicht, die Segmentlänge ist es. Weiter eingegrenzt an Werk 007: 20 145 Zeilen mit Segmenten im Median 0,50 mm treffen die Rechnung ebenfalls (+0,9 %). Der Kipppunkt liegt damit zwischen 0,25 und 0,50 mm.
  • Eine ungezeichnete Wand wird trotzdem gezeichnet (Werk 005): Strecken, die flach an ihr abprallen, laufen als Bündel an ihr entlang und machen sie zur stärksten Linie des Blattes. Lässt sich eine Wand bauen, die unsichtbar bleibt, oder holt die Regel die Sichtbarkeit immer zurück?
  • Frühphase als Überfahrt (001, 002, 003, 005): bei jedem System mit ablesbarer Reihenfolge war der Anfang eine Zone ohne Ort. Zwangsläufig, oder eine Frage des Startpunkts?
  • Woher die dunklen Perlen an den Mäander-Kehren kommen: Abbremsen an der Umkehr oder stehende Tinte.
  • Ab welchem Abstand hört eine Mäander-Kehre auf, als Faltung lesbar zu sein, und wird zum Rand? Bei 9 mm ist sie das tragende Motiv (Werk 001), bei 0,5 mm unsichtbar. Dazwischen liegt ein Kipppunkt, der ein eigenes Werk wert ist.
  • Wie erzeugt man ein Ereignis statt eines Verlaufs? Ein Bruch, ein Sprung, eine Stelle, an der die Regel sich selbst widerspricht — noch völlig unerprobt.