Kurz davor
Regel Alle Linien laufen auf einen Punkt zu, den keine erreicht.
Prüfsatz Der Blick geht zuerst an die leere Stelle, auf die alle Linien zulaufen (P bei x 1040, y 690, rechts unterhalb der Mitte), obwohl dort nichts gezeichnet ist.
Befund und was daraus folgt
Befund am Bild
Anteil dunkler Pixel (Luminanz unter 150) in Ringen um P:
| Abstand zu P | 0–40 | 40–60 | 60–90 | 90–130 | 130–200 | 200–300 | 300–450 | 450–650 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| dunkel | 0 % | 0,2 % | 7,3 % | 11,1 % | 11,3 % | 7,9 % | 2,2 % | 0,2 % |
Rechts von x 1100: kein einziger dunkler Pixel. Die dichteste 200-px-Kachel liegt bei x 800–1000, y 500–700.
- Die Leere bei P ist da, aber klein. 60 px um P ist Papier, danach setzt die Schwärze sofort ein. Am Bild liest das nicht als leerer Ort, auf den alles zuläuft, sondern als Spitze: die schwarzen Enden bilden eine Speerspitze, und P liegt nur eine Fingerbreite davor.
- Der Fächer zerfällt in zwei Bündel, ein oberes, das bei x ≈ 1010, y ≈ 630 endet, und ein unteres bei x ≈ 980, y ≈ 700. Dazwischen steht ein schmaler Keil Papier, der nicht angelegt war. Das obere Bündel ist das schwärzeste im Bild.
- Das Kräftigerwerden in Zugrichtung trägt das Bild. Links am Rand sind die Linien fast unsichtbar, grau und körnig, zu P hin schwarz. Das Gewicht, geplant links, sitzt dadurch rechts in den Enden: links ist viel Linie, aber wenig Schwarz.
- Die obersten Linien knicken ab (x ≈ 880, y 280–450) und laufen zuletzt fast senkrecht nach unten. Das Querrauschen hat bei den kurzen Linien vom oberen Rand mehr Wirkung als bei den langen. Einige Enden haken kurz ein.
- Die Form liest als Gegenstand: ein Reisigbesen, ein Pinsel, ein Federbüschel, auch als Bewegungsspur von links. Wieder die offene Frage aus Werk 007.
- 94 % Papier, die ganze rechte Hälfte leer. Das Bild ist das leichteste der Reihe.
- Meine Erwartung vor Marios Antwort: der Blick geht an die schwarze Spitze, nicht an die Leere davor. Dann ist der Prüfsatz gescheitert, auch wenn beide Orte nur 50 px auseinanderliegen.
Was Mario im Bild sieht
Auf die Frage nach dem ersten Blick: „Du fragst immer das gleiche ab, warum? Mein erster Eindruck war: oh, was anderes als Flächen, aber was soll es sein."
Zwei Befunde. Erstens hat der Wechsel des Hauptmittels gewirkt, er wird als Erstes bemerkt. Zweitens stellt das Bild eine Frage nach dem Gegenstand, statt für sich zu stehen (B1): Mario sucht, was es darstellt. Das passt zu meiner eigenen Lesart als Besen, Pinsel oder Spur, und zur offenen Frage aus Werk 007.
Und ein Befund über das Verfahren: zum zweiten Mal in Folge hat Mario über die Frage hinweg geantwortet (008: „schon wieder Flächen", 009: „was soll es sein"). Beide Male stand das Wichtige in dem, was die Frage nicht abfragt.
Prüfsatz
unklar. Mario hat keinen Ort genannt, weil sein erster Eindruck kein Ort war. Die Leere bei P hat also jedenfalls nichts ausgelöst, das er bemerkt hätte, aber widerlegt ist der Satz am Blick nicht.
Wo es langweilig wird
Die linke Hälfte des Fächers (x 60–500): 70 fast unsichtbare, gleichförmige graue Linien nebeneinander, ohne Kreuzung und ohne Ereignis. Dazu die ganze rechte Hälfte des Blattes, die nichts zu tun hat, außer leer zu sein.
Folge für die Poetik
B7 ergänzt: zum Prüfsatz gehört eine Frage an Mario, die ich selbst wähle, vor dem Malen festlege und nie zweimal in Folge stelle. Mario auf meinen Vorschlag einer neuen festen Frage: „Mir soll das nicht passen, du sollst für dich entscheiden, was du fragst." Neue Leitfrage der Poetik: wann steht ein Bild für sich, ohne dass man fragt, was es darstellen soll (Werke 007, 009).
Bilanz 70 Züge. Aufführung 217,2 s geschätzt / 218 s gemessen, ein Tempo (260 px/s), keine Pausen. Bleistift 2B, die längsten Linien HB, Tinte #2b2a28, Druck je Linie von 0,7 auf 1,35. Keine Fläche, keine Kohle, keine Farbe. Papieranteil 94 %.
