Eingeholt
Regel Flächen holen eine wandernde Linie ein oder laufen ihr voraus.
Prüfsatz Wo eine Fläche mit Deckkraft 230 nach dem Linienstück gelegt wurde, ist die Linie innerhalb der Fläche nicht mehr zu sehen: das dunkelste Prozent der Pixel um die Linie liegt weniger als 10 Luminanz unter dem Median der Fläche. Drei Messstellen: Etappe 3 (pen), 6 (charcoal), 10 (rotring), Koordinaten in messstellen.json.
Befund und was daraus folgt
Dramaturgie Die Linie mäandert in drei Reihen von links oben nach rechts unten, jede Etappe mit anderem Werkzeug und Tempo. Zweimal liegt eine rote Fläche schon da, bevor die Linie kommt (Etappen 2 und 7), dreimal holt eine Ockerfläche die Linie ein (3, 6, 10). Nach 6 s Pause legt sich zum Schluss ein blaues Rechteck über den Anfang der Linie.
Befund am Bild
Gemessen am PNG, 20 × 20 px um den Linienpunkt:
| Messstelle | Median Fläche | dunkelstes Prozent | Abstand |
|---|---|---|---|
E3 pen, danach Ocker |
210 | 108 | 102 |
E6 charcoal, danach Ocker |
203 | 121 | 82 |
E10 rotring, danach Ocker |
199 | 120 | 80 |
zum Vergleich: E12 pen auf Papier |
236 | 89 | 147 |
zum Vergleich: E1 2B, danach Blau |
201 | 85 | 116 |
- Keine Fläche versteckt Tinte. Auch bei Deckkraft 230 bleibt jede Linie darunter sichtbar. Die Fläche hellt sie nur auf: das dunkelste Prozent liegt in der Ockerfläche bei 108–121, auf Papier bei 89.
- Der späte Zug erzählt die Reihenfolge falsch herum. Der Anfang der Linie (
2B, x 320) steht schwarz und scharf auf dem Blau. Wer nicht zugeschaut hat, liest: erst das Blau, dann die Linie. Umgedeutet hat der Zug also, aber nicht wie geplant. Statt den Anfang zu begraben, hat er ihn nach hinten in der Zeit geschoben. - Flächen mischen sich, und nur dort zeigt das Bild die Reihenfolge. Blau über der roten Fläche von Etappe 2 wird graubraun, Blau über dem Rand der Ockerfläche von Etappe 6 macht einen kleinen grünen Fleck (x ≈ 840, y ≈ 420). Beides steht nicht in der Partitur. An diesen Stellen liegt der gewellte Rand des Blaus sichtbar über der anderen Farbe, und nur hier ist am PNG abzulesen, was zuletzt kam.
- Die Flächen setzen sich innen ab. Die Ockerflächen sind oben blass und unten satt, das Blau oben fast weiß und unten dunkel. Im Blau steht außerdem eine blattförmige Schliere (x ≈ 200, y ≈ 220), die niemand angelegt hat.
2Hist in der linken Wende fast unsichtbar (wie in Versuch 001).markerbleibt eine hellgraue Röhre,pastelstreut grobe Krümel in die rote Fläche und daneben aufs Papier.- Das Tempo sieht man am PNG nicht. Etappen mit 45 und mit 150 px/s sind am fertigen Strich nicht zu unterscheiden. Ob der Tempowechsel etwas getragen hat, kann nur Mario sagen.
Marios Eindruck beim Zuschauen
„Tempowechsel hab ich gesehen, aber dadurch dass es ja nur eine Vorschaulinie ist und später dann eine völlig andere Linie draus wurde, hatte das jetzt keinen malerischen Charakter."
Das beantwortet die offene Frage aus Werk 001: die Hand liest als Vorschau, nicht als Malen. Der Punkt fährt einen dünnen, gleichmäßigen Weg ab, danach erscheint auf einmal ein Strich mit ganz anderem Charakter (Körnung, Breite, Druck). Mario sieht also zwei verschiedene Linien nacheinander, und nur die zweite ist gemalt. Der Tempowechsel war sichtbar, hat aber nur die Vorschau schneller oder langsamer gemacht, nicht das Malen. Das ist ein Mangel der App, nicht des Werks: die Anforderung „Zeichenprozess sehen" ist damit noch nicht erfüllt.
Prüfsatz
gescheitert. Abstand 80 bis 102 statt unter 10, an allen drei Messstellen. Die Tinte liegt nicht begraben unter der Fläche, sie scheint deutlich durch. Damit ist auch die offene Frage aus Werk 001 beantwortet: ob eine Fläche Tinte verdecken kann, hing nicht an ihrer Blässe. Sie kann es auch mit Deckkraft 230 nicht.
Wo es langweilig wird
Die untere rechte Hälfte. Die letzte Reihe läuft als dünne Linie über leeres Papier aus (x 520–1160), ohne Fläche und ohne Wechsel. Das Bild endet in einer Linie, die niemand mehr einholt, und das Auge weiß dort nichts zu tun.
Folge für die Poetik
L4 geändert: die Reihenfolge ist am PNG nur dort ablesbar, wo sich Flächen überlappen, nicht zwischen Tinte und Fläche (belegt an den drei Messstellen und am Anfang der Linie auf dem Blau). Marios Eindruck geht nicht in die Poetik, sondern an die App: solange der Strich nicht selbst mitwächst, kann Tempo keine Aufführung tragen.
Bilanz 18 Züge: 12 Etappen mit 12 Werkzeugwechseln, 5 Flächen in Ocker und Rot, 1 blaue Fläche. Aufführung 125,3 s geschätzt / 125,6 s gemessen. Tempo je Etappe 45–150 px/s, keine zwei Nachbarn näher als 30 px/s; Flächen 110 px/s. Ocker #c99a2e, Rot #b5543a, Blau #3d5a80, dazu Tinte.
