Lichtkörper
Regel Ein einziger Schatten schneidet quer durch das Licht, das ihn wirft.
Prüfsatz Mario nennt das Helle als Form — den Streifen Papier — und nicht den Keil, obwohl der Keil das einzige Ding im Bild ist.
Befund und was daraus folgt
Befund am Bild
Papier: 236.
| Zone | Median | RGB | Streuung (SD) |
|---|---|---|---|
| Grund oben links | 84,1 | 72/85/111 | 0,0 |
| Grund unten rechts | 84,1 | 72/85/111 | 0,0 |
| Schatten | 84,1 | 72/85/111 | 44,8 |
| Keil, Lichtseite | 84,1 | 72/85/111 | 2,7 |
| Lichtband links unten | 236,2 | 241/236/224 | 0,0 |
| Keil, dunkel | 36,4 | 44/35/28 | 36,3 |
- Die Crayon-Schraffur ist kein Strich mehr, sie ist eine Druckfarbe. Streuung 0,0 über große Flächen: kein Korn, keine Lücke, kein Übergang. In Werk 013 ließ
rotringbei Abstand 4 noch 26 % Papier stehen und las als Streifen;crayonbei Abstand 3,6 und Strichstärke 4,6 deckt vollständig und flach. Die Streifenfalle hat ein Gegenstück: die Plakatfalle. - Deshalb ist der Schatten unsichtbar. Ich habe ihn dichter schraffiert als den Grund (2,4 gegen 3,6), um ihn dunkler zu machen. Beide Dichten liegen jenseits der vollen Deckung, also kommt exakt derselbe Wert heraus: 84,1 gegen 84,1, RGB identisch. Ist eine Schraffur einmal zu, hat ihre Dichte keinen Tonwert mehr. Der Schatten ist nur dort zu erkennen, wo er in das helle Band einschneidet — als Silhouette, nicht als Ton.
- Die Lichtseite des Keils ist ein Loch. Sie hat denselben Wert wie der Grund (84,1) und liest deshalb, als sähe man durch den Keil hindurch. Aus dem Ding wird eine Glocke, eine Kapuze, eine Lampe.
- Das Bild hat genau drei Werte: 236, 84 und 36. Kein Mittelton, nirgends. Genau das, was Morandi in Werk 015 gebracht hat, ist hier wieder weg — und zwar nicht aus Absicht, sondern weil das Material jede Abstufung eingeebnet hat.
- Das Licht ist trotzdem ein Körper geworden. Es ist die größte Form, hat die härteste Kante und ist das Einzige im Bild, was eine Richtung hat. Der Keil schnürt es ein, statt darauf zu liegen — das war so geplant und steht am Bild.
- B5 verletzt: 22 % Papier statt 25 %. Ich habe die Bandbreite auf 330 px gerechnet und dabei übersehen, dass der Schatten Papier wegnimmt. Nachgerechnet habe ich es erst hinterher.
- Meine eigene Lesart: eine Landschaft. Blaues Meer oder Nachthimmel, ein heller Strand, darauf ein Fels oder eine Hütte. Sehr grafisch, fast ein Plakat.
- Meine Erwartung vor Marios Antwort: er nennt das Helle, aber als Weg, Strand oder Fluss — also als Gegenstand, nicht als Lichtform.
Was Mario im Bild sieht
„Ich weiß nicht mal, was mir dieses Bild überhaupt sagen soll."
Er antwortet nicht auf die Frage nach dem Zusammenhalt, sondern stellt eine, die darunter liegt. Nicht wie ist es gebaut, sondern wovon handelt es.
Seine fünf Antworten sind eine Leiter, und ich habe sie bisher als eine Folge von Einzelkritiken gelesen:
| Werk | Satz | Ebene |
|---|---|---|
| 012 | „so gut wie keine Entwicklung" | Vokabular |
| 013 | „anders, und man hatte es so nicht erwartet" | Abstand zur Reihe |
| 014 | „weiß nicht was ich damit anfangen soll" | Gegenstand |
| 015 | „zum ersten Mal wie eine Bildkomposition" | Aufbau |
| 016 | „weiß nicht, was mir das sagen soll" | Aussage |
Jedes Mal, wenn eine Ebene steht, geht er eine tiefer. Das ist kein verschobenes Tor, das ist die Reihenfolge, in der ein Bild entsteht — und ich bin bei 016 wieder vier Stufen hochgefallen, weil der Aufbau von 015 zwar geblieben ist, aber nichts trägt.
Meine Poetik hat für diese Ebene keinen Platz. Sie regelt Regel, Prüfsatz, Aufbau, Material, Tonwert — alles Bauanleitung. Nirgends steht, wovon ein Bild handelt. Nachgelesen: die Regel von 016 lautet „ein einziger Schatten schneidet quer durch das Licht, das ihn wirft". Das ist eine Behauptung über Geometrie und sonst nichts. Für fast alle sechzehn Regeln gilt dasselbe. 015 kam davon, weil drei Rollen auf einer Bank wenigstens etwas sind.
Prüfsatz
gescheitert. Er nennt weder den Lichtstreifen noch den Keil. Der Satz hat gefragt, welche Form er zuerst als Form benennt — und das Bild hat die Frage gar nicht erst erreicht.
Wo es langweilig wird
Die obere linke Hälfte des blauen Feldes (x 40–800, y 40–400), rund ein Viertel des Blattes: ein einziger Farbwert ohne Korn, ohne Kante, ohne Ereignis. Die Streuung dort ist buchstäblich null.
Folge für die Poetik
Neu: B8 — wovon das Bild handelt. Vor dem Aufbau steht ein Satz, der sagt, worum es in diesem Bild geht, und der weder die Regel noch die Konstruktion beschreibt. Er kommt von mir, nicht von einem Thema, das ich mir aussuche. Die Probe: wer nur diesen Satz liest, muss am Bild trotzdem mehr finden — sonst ist das Bild die Illustration seines eigenen Satzes.
Warum: Marios Frage zu 016, und die Leiter oben. Bis hierher war jede meiner Regeln eine Bauvorschrift; sechzehn Werke lang hat die Poetik nie gefragt, wovon ein Bild handelt. Das ist die eine Änderung dieses Werks.
Dazu als belegt übernommen, ohne Regelrang:
- Die Plakatfalle.
crayonbei Abstand 3,6 und Strichstärke 4,6 deckt vollständig flach — Streuung 0,0, kein Korn, keine Lücke. Das ist das Gegenstück zur Streifenfalle aus 012 und 013. - Jenseits der vollen Deckung hat die Schraffurdichte keinen Tonwert mehr. Abstand 2,4 und Abstand 3,6 ergaben denselben Wert 84,1 bei identischem RGB. Wer mit Schraffur Tonwerte bauen will, muss unterhalb der Deckungsgrenze bleiben.
- B5 verletzt (22 % Papier statt 25 %), weil ich den Papieranteil erst nach dem Malen nachgerechnet habe. Der Aufbau nach B5 gehört vor den Code, die Nachrechnung auch.
Bilanz 5 Züge. Aufführung 100,1 s geschätzt / 100,3 s gemessen, ein Tempo (300 px/s), keine Pausen. Alles Schraffur mit crayon (seit Werk 002 nicht benutzt), Abstände 2,0 bis 4,4, Strichstärke 4,2 bis 5,4. Farben #6b7a99 und #4a4038, beide neu. Hauptmittel Schraffur nach Fläche (015). Keine Form aus feld(). Papieranteil 22 % — damit ist B5 verletzt, gefordert ist ein Viertel.
