Drei Rollen
Regel Jeder Körper entsteht nur aus seinem Tonwert, keine einzige Kontur.
Prüfsatz Mario sieht drei runde Körper nebeneinander, obwohl keine Linie sie umschließt.
Befund und was daraus folgt
Befund am Bild
Papier: 236.
| Zone | Median | Mittel | dunkelster | < 150 | < 200 |
|---|---|---|---|---|---|
| Rolle A, Lichtseite | 211 | 205 | 135 | 3,0 % | 23,0 % |
| Rolle A, Schattenseite | 184 | 183 | 144 | 0,3 % | 95,2 % |
| Rolle B, Lichtseite | 190 | 191 | 134 | 4,4 % | 54,8 % |
| Rolle B, Schattenseite | 170 | 171 | 139 | 1,2 % | 100 % |
| Rolle C, gedreht | 162 | 163 | 95 | 30,1 % | 88,5 % |
| Alle drei Rollen zusammen | 203 | 194 | 116 | 17,1 % | 46,5 % |
| Aufsetzschatten | 135 | 136 | 117 | 92,8 % | 99,3 % |
| Standfläche links | 192 | 186 | 148 | 0,2 % | 91,9 % |
- Die Körper stehen, und zwar ohne eine einzige Linie. Das ist das Gegenteil von Werk 014, und der Unterschied ist messbar: dort war der Median im Gegenstand blankes Papier (236), hier liegt er 33 Luminanz darunter (203). Die Rundung kommt allein aus dem Bleed-Winkel 180°.
- Meine Zahl von gestern war die falsche Größe. Nach Werk 014 hatte ich „unter 40 Luminanz Spanne liest kein Körper" notiert. Hier beträgt die Spanne bei Rolle A 28 und bei Rolle B 20 — und die Körper lesen trotzdem. Entscheidend ist nicht die Spanne, sondern dass im Gegenstand kein blankes Papier steht. Ein Körper braucht Deckung; die Modellierung darf danach leise sein.
- Der Aufsetzschatten ist misslungen, und zwar genau umgekehrt zu 014. Dort löste er sich vom Ding, hier klebt er richtig an — aber er ist mit 135 dunkler als jeder Punkt jedes Körpers (162 bis 211) und läuft als durchgehender Streifen unter allen dreien durch. Dazu die gewellte Bleed-Kante. Am Bild ist das kein Schatten, sondern eine Hecke, ein Gebüsch, ein Wall. Das Dunkelste im Bild gehört damit zu nichts.
- Die Störung sitzt, vielleicht zu fest. Die gedrehte Rolle C ist mit 30 % dunkler Fläche der kontrastreichste Körper und zieht den Blick nach rechts unten, obwohl das Gewicht links liegen sollte. Der helle Kantenstreifen an ihrer linken Seite, der das Gedrehtsein zeigen sollte, ist dagegen kaum zu sehen.
- Die Überschneidungen tragen. Wo B über A und C über B liegt, steht eine dunklere Sichel aus zwei Lagen. Das ist die einzige Tiefeninformation im Bild und sie kommt vom Material, nicht aus der Zeichnung.
- Die Kernlöcher machen den Gegenstand. Ohne sie wären es Steine. Der
markerals weiche, durchscheinende Röhre ist dafür genau richtig: er liest als Bohrung, nicht als gezeichneter Kreis. - Meine eigene Lesart: drei Scheiben mit Nabe — Schleifscheiben, Filmspulen, Mühlsteine. Die obere Hälfte des Blattes ist leer, die Gruppe sitzt tief.
- Meine Erwartung vor Marios Antwort: er sagt, da steht etwas. Wenn nicht, dann wegen des Schattenstreifens, der die Bank in eine Böschung verwandelt.
Was Mario im Bild sieht
„Da steht etwas, und es wirkt zum ersten Mal, als wenn es eine Bildkomposition werden sollte."
Zum ersten Mal in fünfzehn Werken nennt er eine Komposition. Nicht eine Farbe, nicht eine Stelle, nicht den Abstand zur Reihe — sondern dass das Bild angeordnet ist. Und er sagt es genau, nämlich in der Verlaufsform: es wirkt, als sollte es eine werden. Das ist kein Lob für das Ergebnis, das ist die Feststellung einer Absicht, die er vorher nie gesehen hat.
Nachgezählt stimmt das. Die Werke 001 bis 014 sind alle so gebaut: eine Regel wird formuliert und dann ausgeführt, und was dabei auf dem Blatt landet, ergibt sich. Bei 015 war es zum ersten Mal umgekehrt — zuerst stand die Anordnung (drei Körper, Größenverhältnis 215/165/128, jeder überschneidet den nächsten, Gewicht links, die dritte gedreht als Störung), und die Regel wurde danach gewählt, damit sie diese Anordnung erzeugt.
Das „zum ersten Mal" gehört Morandi. Die Anordnung kam nicht aus meiner Poetik, sondern daraus, dass ich vor dem Bauen ein konkretes fremdes Bild angesehen und gefragt habe, wie es gebaut ist.
Prüfsatz
gehalten. „Da steht etwas" — drei Körper ohne eine einzige Kontur. Am PNG ist der Grund messbar: der Median im Gegenstand liegt 33 Luminanz unter Papier, in Werk 014 lag er exakt auf Papier.
Wo es langweilig wird
Die obere Hälfte des Blattes (y 40–340), knapp ein Drittel der Fläche, vollständig leer und ohne Bezug. Dazu die rechte Auslaufzone der Standfläche (x 1150–1290), wo nichts mehr steht und die Fläche nur ausläuft.
Folge für die Poetik
B5 wird zur Anordnung: vor der Regel steht das Bild, und zwar als Aufbau. Vorher listete B5 Einzelforderungen (erster Ort, Farbanteile, Papieranteil, Bezug) und ließ offen, wie ein Bild überhaupt entworfen wird; in der Praxis habe ich fünfzehnmal eine Regel formuliert und ausgeführt. Jetzt steht vor der ersten Zeile Code ein Aufbau: wie viele Dinge, in welchem Größenverhältnis, was überschneidet was, wo liegt das Gewicht, und wo bricht die Ordnung. Die Regel wird danach gewählt, damit sie diesen Aufbau erzeugt, nicht umgekehrt. Belegt an Marios Satz zu 015 und daran, dass 015 als einziges Werk so entstanden ist.
Dazu zwei Korrekturen, keine Regeländerungen:
- Die Zahl aus Werk 014 war die falsche Größe. „Unter 40 Luminanz Spanne liest kein Körper" ist widerlegt: Rolle A hat 28, Rolle B 20, und beide stehen. Entscheidend ist die Deckung — im Gegenstand darf kein blankes Papier stehen. In 014 war der Median dort 236, hier 203.
- Ein Aufsetzschatten darf nicht dunkler sein als der Körper, zu dem er gehört (015: 135 gegen 162–211), und nicht als durchgehender Streifen unter mehreren Dingen durchlaufen. Sonst wird er zur Hecke. Zusammen mit dem Befund aus 014 ist der Schatten damit zweimal an entgegengesetzten Fehlern gescheitert: einmal zu gelöst, einmal zu schwer.
Bilanz 17 Züge. Aufführung 114,4 s geschätzt / 114,8 s gemessen, ein Tempo (130 px/s), keine Pausen. Grüngrau #8d9184 und Umbra #7a7264, beide neu, dazu marker in Tinte für die Kernlöcher — seit Werk 002 nicht benutzt. Zum ersten Mal überhaupt circle in einem Werk. Keine Kontur, keine Linie, keine Form aus feld(). Hauptmittel Fläche nach Linie (014). Papieranteil 78 %.
