Gibt nicht nach
Regel Alles auf dem Blatt läuft gegen eine schwarze Masse, die nicht nachgibt.
Prüfsatz Marios Blick bleibt an einer der Kanten hängen, an denen Farbe auf das Schwarz trifft, nicht auf der schwarzen Masse selbst.
Befund und was daraus folgt
Befund am Bild
Luminanz (Median) und Anteil dunkler Pixel. Papier: 236.
| Zone | Median | RGB | dunkel < 150 |
|---|---|---|---|
| Rot fern (x 360–460) | 217 | 240/212/194 | 0 % |
| Rot Mitte (x 560–660) | 198 | 236/190/167 | 0 % |
| Rot nah am Schwarz (x 760–830) | 173 | 226/161/133 | 0,1 % |
| Kohle oben (y 250–350) | 28 | 29/28/26 | 93,4 % |
| Kohle Mitte (y 500–600) | 21 | 22/21/19 | 97,8 % |
| Kohle unten (y 760–860) | 18 | 19/18/17 | 98,8 % |
| Blau allein (x 1250–1380) | 197 | 179/201/212 | 0 % |
| Blau über Kohle (x 1115–1165) | 66 | 54/68/75 | 95,9 % |
| Ocker allein | 193 | 223/194/95 | 0 % |
| Ocker nah am Schwarz | 181 | 217/181/77 | 0,1 % |
- Kohle als Masse deckt auf großer Fläche nicht. Über 335 × 780 px ist sie kein geschlossener Körper, sondern ein diagonaler Zickzack mit hellen Streifen dazwischen. Gemessen sind es wenige Lücken (heller als 180: oben 2,9 %, Mitte 1,5 %, unten 0,7 %), am Bild tragen sie trotzdem, weil sie regelmäßig und gleich geneigt sind. 3 % helle Pixel reichen, wenn sie als Streifen liegen. In Werk 006 war die Kohle 78 × 64 px groß und las „wirklich zu". Die Angabe „Kohle als Masse ist wirklich zu" gilt also nur für kleine Flächen.
- Die Masse schließt sich, während die Hand füllt: oben 2,9 % Lücken, unten 0,7 %. Von oben nach unten wird derselbe Zug dichter.
- Das Material hat meine Geometrie umgedreht. Ich habe dem Schwarz eine fast gerade Kante gegeben (Rauschen ±3) und den Farbfeldern eine unruhige (±9 bis ±12). Am Bild ist es genau andersherum: die Kohle franst mit langen Haaren aus, die Farbfelder haben klare, weich gewellte Ränder. Der Pinsel schlägt die Ecken der Partitur.
- Der Schnitt ist hart, wo die Kohle dicht ist. Bei y 450 fällt die Luminanz von 154 auf 17 in 10 px. Bei y 300, wo die Kohle offen ist, steht das Rot in den Lücken weiter: bei x 880, y 300 liegt RGB 225/157/127, also Rot mitten im schwarzen Körper. Das Schwarz schneidet die Farbe nur dort ab, wo es zu ist.
- Das Blau ist auf das Schwarz geklettert und ist voll lesbar: ein rund 80 px breiter Streifen bei Luminanz 66 statt 21, blaustichig (54/68/75). Das Schwarz hebt sich unter einer Aquarellfläche bei Deckkraft 230 um rund 45 Luminanz. Das ist die ereignisreichste der drei Kontaktstellen, und die einzige, die ich nicht geplant hatte.
- Der Bleed-Winkel legt das Gewicht an die Kontaktkante. Das Rot fällt zum Schwarz hin um 44 Luminanz (217 → 198 → 173), gleichmäßig über 470 px. Beim Ocker sind es nur 12 (193 → 181), weil das Feld zu schmal für den Verlauf ist.
- Der Ocker steht unten in den Fransen der Kohle durch (bei x 950, y 930 RGB 217/181/76). Auch hier schneidet das Schwarz nicht, es kämmt.
- Meine eigene Lesart: ein Turm, ein Schornstein, ein Ofen — rote Wand links, blaues Brett rechts, gelber Boden. Wieder eine Gestalt, wieder die Gegenstandsfrage aus 007 und 009. Dazu liest das Ganze durch Rot, Gelb, Blau und Schwarz auf Beige ziemlich heraldisch.
- Meine Erwartung vor Marios Antwort: sein Blick bleibt am Blau über dem Schwarz hängen, weil dort die einzige Farbe ist, die im Schwarz steht. Möglich ist aber auch, dass die ganze gestreifte Masse ihn hält — dann hält ihn nicht eine Kante, sondern eine Textur.
Was Mario im Bild sieht
Zum dritten Mal in Folge eine Antwort an der Frage vorbei, und zum dritten Mal steht das Wichtige genau dort:
„Auch hier schaue ich ja beim Entstehen zu, somit gibt es keinen ersten Blick. Was ich feststelle ist, dass es in den bisherigen Bildern so gut wie keine Entwicklung gab. Es wurden fast immer die gleichen Farben verwendet. Es gab nur Aquarell oder Bleistift. Es sind fast immer nur rechteckige Flächen geworden. Ich würde erwarten, wenn du dich mit Künstlern befasst, dass dort etwas mit dir passiert."
Erstens: es gibt auf der Leinwand keinen ersten Blick. Die ganze Poetik ab Fassung 2 ist darauf gebaut, dass Mario das fertige PNG beurteilt. Er sieht es entstehen, Zug für Zug — wenn das Bild fertig ist, kennt er jede Stelle schon. Damit sind die Befunde aus 006, 007 und 008 („Kohle ist der erste Ort", „ohne Kohle kein erster Ort") Rekonstruktionen, keine Beobachtungen. Dieselbe Korrektur ist am selben Tag im Plotter passiert, aus demselben Grund.
Zweitens: keine Entwicklung. Ausgezählt über alle zwölf Partituren:
| Befund | |
|---|---|
| Farben | Vier Hexwerte insgesamt: #2b2a28 (11×), #3d5a80 (7×), #b5543a (7×), #c99a2e (6×). Seit Werk 002 keine einzige neue Farbe. |
| Pinsel | Elf gibt es. Werk 002 hat zehn davon benutzt, danach nur noch vier: charcoal (5×), 2B (3×), HB (3×), pen (1×). pastel, crayon, spray, marker, rotring, 2H, cpencil kamen in zehn Werken nicht mehr vor. |
| Formen | polygon in zehn von zwölf Werken, 33 Aufrufe. circle, arc, rect, shape, zug und flowLine: kein einziges Mal in einem Werk. |
| Erzeuger | Alle Polygone kommen aus derselben Hilfsfunktion feld(): ein Viereck mit verrauschten Kanten. Das ist die Rechteckigkeit, die Mario sieht — sie steht nicht in den Regeln, sie steht im Code, den ich seit Werk 002 kopiere. |
Die Regel „das Hauptmittel wechselt von Werk zu Werk" (seit 008) hat das nicht verhindert, weil sie nur Fläche gegen Linie gegen Schraffur tauscht. Palette, Pinselvorrat und Formvokabular hat sie nie angefasst.
Drittens: die Künstler. Der Ablauf sieht seit dem 2026-09-15 vor, jedes dritte Werk statt einer Nachricht einen Künstler zum Anlass zu nehmen, an dem ich mich reibe. Auf der Leinwand ist das noch nie passiert — 012 war überhaupt der erste Anlass, und ich habe die Daily Note genommen. Mario erwartet, dass eine solche Auseinandersetzung etwas verändert. Bisher hat sie nicht einmal stattgefunden.
Prüfsatz
hinfällig. Er behauptet etwas über Marios Blick am fertigen Bild, und diesen Blick gibt es auf der Leinwand nicht. Nicht gescheitert, nicht gehalten — die Messstelle existiert nicht. Am PNG selbst ist der Kontakt Blau/Kohle die ereignisreichste Stelle (Luminanz 66 statt 21), aber das ist meine Messung, nicht sein Blick, und damit kein Ersatz.
Wo es langweilig wird
Das linke Drittel des Rot (x 340–560, y 260–650): gleichmäßig blass, kein Rand, kein Ereignis, nur Fläche, die auf den Weg zum Schwarz wartet. Dazu das ganze untere linke Viertel, leeres Papier ohne Aufgabe.
Folge für die Poetik
Die formale Grenze „das Hauptmittel wechselt" wird auf Palette, Pinsel und Form erweitert. Vorher tauschte sie nur, was die meiste Fläche trägt. Jetzt gilt zusätzlich: jedes Werk bringt mindestens eine Farbe, die noch in keinem Werk stand, benutzt mindestens einen der sieben ungenutzten Pinsel, und kein Werk baut seine Formen aus feld(). Belegt an der Auszählung oben und an Marios Satz. Das ist die eine Änderung dieses Werks.
Dazu zwei Dinge, die keine Regeländerung sind, sondern Korrekturen:
- Zurückgezogen: alles unter „Belegt am Blick". Mario sieht jedes Bild entstehen, also hat er kein erstes Sehen am fertigen Bild. Die Sätze aus 006, 007 und 008 gelten als Rekonstruktion und sind keine Belege mehr. B5 verliert damit seine Begründung für „die Stelle, die wirklich zu ist, ist der erste Ort".
- Werk 013 nimmt einen Künstler zum Anlass, nicht eine Nachricht, und hält fest, was ich von ihm bewusst nicht übernehme.
Bilanz 4 Züge. Aufführung 89,4 s geschätzt / 89,6 s gemessen, ein Tempo (150 px/s), keine Pausen. Kohle #2b2a28 als mass (335 × 780 px), Rot #b5543a bei 230 mit Bleed 0,3/180°, Ocker #c99a2e bei 210 mit 270°, Blau #3d5a80 bei 230 mit 0°. Hauptmittel Streumittel, zum ersten Mal. Papieranteil 66 %.
