Angeschnitten
Regel Zwei vom Blattrand angeschnittene Schraffuren kreuzen sich in einem einzigen Feld.
Prüfsatz Das Bild fragt nicht nach einem Gegenstand: Mario nennt auf die Frage, was er sieht, nichts, das es darstellen soll (kein Ding, kein Stoff, kein Gitter, keinen Buchstaben).
Befund und was daraus folgt
Befund am Bild
Mittlere Luminanz und Anteil dunkler Pixel (unter 150). Papier: 236.
| Zone | mittlere Luminanz | dunkel |
|---|---|---|
| Kreuzfeld (x 560–680, y 100–450) | 201 | 17,7 % |
| Tusche innen oben (x 400–560) | 214 | 12,0 % |
| Tusche allein, links und unten | 222 | 7,4–7,5 % |
| Bleistift allein | 226 | 3,8 % |
| Papier rechts unten | 236 | 0 % |
- Die Schraffuren sind nicht angeschnitten, sie sind gerahmt. Beide enden am 40-px-Rand, und der ist rundherum als heller Streifen zu sehen. Damit hat jede Fläche doch einen Umriss, nur einen geraden. Zusammen ergeben sie eine einzige Gestalt: ein großes, auf dem Kopf stehendes L, ein Γ, eine Ecke mit ausgeschnittenem Rechteck rechts unten. Die Regel „vom Rand angeschnitten" und die formale Grenze „Rand 40 px bleibt frei" widersprechen sich, und die Grenze hat gewonnen.
- Das Kreuzfeld ist oben ein dichtes Gitter (y 40–180), darunter kreuzen nur noch einzelne Bleistiftstriche die Tusche. Das dunkelste Stück des Bildes klebt also am oberen Rand.
- Die Tuscheschraffur ist nicht gleichmäßig. Kräftige und blasse Striche wechseln sich in Bändern ab, die Enden an der Innenkante stehen gestaffelt. Das kam aus
randund dem Druck despen, nicht aus der Partitur, und ist das Lebendigste im Bild. - Der Bleistift ist körnig und fleckig, mit dunklen Knoten in schrägen Bändern. Rechts oben (x 1380–1460) reißt er auf, dort sind die Striche kurz und lückenhaft.
- Die Innenkanten sind trotz Rauschen fast gerade. Das L liest dadurch architektonisch, wie ein Grundriss oder ein Rahmen.
- Meine Erwartung vor Marios Antwort: er nennt eine Form (Ecke, L, Rahmen) oder ein Material (Stoff, Gitter). Dann ist der Prüfsatz gescheitert, und zwar an der Randgrenze, nicht an der Schraffur.
Was Mario im Bild sieht
„Zwei nichtssagende Schraffuren."
Kein Gegenstand, kein L, kein Gitter. Er sieht genau, was da ist, und findet nichts darin. Meine Erwartung war falsch: die Gestalt, die ich am PNG gesehen habe, sieht er nicht.
Prüfsatz
gehalten, und damit nichts bewiesen. Mario nennt keinen Gegenstand, weil das Bild überhaupt nichts behauptet. Das ist dieselbe Lage wie in Werk 001: ein Prüfsatz, der hält, weil der Effekt fehlt. Ein leeres Blatt hätte ihn auch erfüllt.
Wo es langweilig wird
Überall gleich, und das ist der Befund. Am ehesten die untere Hälfte der Tusche (x 40–520, y 560–1021): parallele Striche ohne Kreuzung, ohne Richtungswechsel, ohne Rand, der etwas tut.
Folge für die Poetik
B7 geändert: ein Prüfsatz behauptet, was das Bild auslöst, nicht was es vermeidet. Werk 010 war gebaut, um den Fehler aus 007 und 009 zu vermeiden (kein Gegenstand), und hat ihn vermieden, indem es nichts sagt. Zurückgeblickt gilt das für die ganze Folge seit Werk 005: jedes Werk war die Verneinung des vorigen Fehlers (nicht symmetrisch, kein Blickfang außer Kohle, keine Fläche, kein Gegenstand), und jedes wurde leerer. Dazu die Leitfrage neu gefasst, weil auch sie eine Verneinung war.
Bilanz 2 Züge. Aufführung 95,9 s geschätzt / 96 s gemessen, ein Tempo (260 px/s), keine Pausen. Schraffur pen im Abstand 11 bei 35°, Schraffur 2B im Abstand 13 bei 125°, beide Tinte #2b2a28, ohne Umriss. Keine Farbe. Papieranteil 88 % (hell zwischen den Strichen mitgezählt).
