Sättigung
Regel Dieselbe blaue Fläche wird zwölfmal gelegt, jede Lage 40 px weiter rechts als die vorige.
Prüfsatz Zwischen 6 und 12 übereinanderliegenden Lagen wird das Blau um weniger Helligkeit dunkler als zwischen der ersten und der zweiten Lage. Gemessen am PNG, nicht geschätzt.
Befund und was daraus folgt
Dramaturgie Zuerst eine Leiter aus zwölf Bleistiftlinien, dann die Lagen von links nach rechts mit je 4,5 s Pause, zuletzt nach 7 s Pause die Kohle über dem rechten Ende.
Befund am Bild
Gemessen als mittlere Luminanz (0,2126 R + 0,7152 G + 0,0722 B) über 16 × 400 px in der Mitte jeder Überlagerungszone. Papier: 236.
| Lagen | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Luminanz | 226 | 218 | 220 | 218 | 217 | 218 | 220 | 224 | 226 | 219 | 217 | 212 |
- Nach der zweiten Lage dunkelt das Blau nicht mehr nach. Von 2 bis 11 Lagen bleibt alles zwischen 217 und 226, ohne Richtung. Die Zonen mit 8 und 9 Lagen sind sogar heller als die mit 2. Erst die Zone mit 12 Lagen erreicht 212, und sie liegt direkt am Wasserrand der ersten Lage.
- Was sich addiert, sind die Ränder, nicht die Flächen. Jede Lage bleibt als eigene gewellte Randlinie stehen, das Innere bleibt gleich blass. Das Band liest nicht als Verlauf, sondern als Stapel durchsichtiger Blätter.
- Bleed 0,3 wellt den Rand jeder Lage. Die eine große Beule (links oben bei x ≈ 670) ist die Ausnahme. Die Beule aus Versuch 001 war also die gröbere Form eines Regelfalls, kein Einzelfall.
- Die Bleistiftlinien sind unten schwarz und oben fast unsichtbar, obwohl der Druck symmetrisch angelegt war (0,9 → 1,3 → 0,9). Der Strich wird in Zugrichtung kräftiger. Das kam vom Pinsel, nicht aus der Partitur.
- Die Bleistiftlinien wurden zuerst gezogen und stehen trotzdem schwarz auf dem Blau. Ob Striche immer über Flächen liegen oder das Blau bei Deckkraft 60 schlicht nichts verdeckt, lässt sich an diesem Bild nicht entscheiden.
- Die Kohle liegt größtenteils neben dem Band auf Papier und berührt nur die letzten blassen Ränder. Sie ist ein zweiter Gegenstand, kein Ende des Bandes.
Marios Eindruck beim Zuschauen
„Nach der zweiten Pause war fast klar, was als nächstes kommen wird."
Das heißt: die Aufführung war nach rund 15 von 123 Sekunden durchschaut. Die übrigen zehn Lagen und zehn Pausen waren Warten auf Bekanntes. Die Pausen haben keine Spannung erzeugt, weil nichts offen war, worauf man hätte warten können.
Prüfsatz
unklar. Rechnerisch gehalten (6 → 12: 6,6 gegen 1 → 2: 8,2). Aber die Zonen 3 bis 9 streuen um ±4 ohne Richtung, das Rauschen der Aquarelltextur ist also so groß wie der Unterschied, der gemessen werden sollte. Und die Behauptung setzte ein allmähliches Absättigen voraus, tatsächlich ist nach zwei Lagen Schluss. Ein Prüfsatz, der hält, weil der Effekt fehlt, hat nichts bewiesen.
Später Zug (L4)
Nicht eingelöst. Die Kohle sollte das dunkelste Blau zur blassen Stelle machen, aber es gab kein dunkelstes Blau. Heraus kommt ein Paar aus blasser Fläche und schwarzem Block, keine Umdeutung.
Wo es langweilig wird
Die rechte Hälfte des Bandes (x 780–1100): gleich blasses Blau, keine Leiter, nur leise Randlinien. Genau dort, wo die Überlagerung am dichtesten sein sollte, passiert am wenigsten.
Folge für die Poetik
L4 verschärft, belegt an Marios Eindruck: eine gleich gezeigte Handlung ist beim zweiten Mal durchschaut. Dazu zwei Befunde als belegt übernommen (Lagen dunkeln nicht nach, Ränder addieren sich; Bleistift wird in Zugrichtung kräftiger) und zwei neue offene Fragen.
Bilanz 25 Züge (12 Bleistiftlinien, 12 Aquarelllagen, 1 Kohlemasse). Aufführung 122 s geschätzt / 123 s gemessen. Blau #3d5a80 bei Deckkraft 60, Bleed 0,3, dazu Tinte. Papieranteil 51 %.
